Toter Herbst

E. Faltis

Weißt du noch, wie uns das Leben gelacht,

Als wir in schwüler Septembernacht

In dem Weinberg uns fanden?

Du in den Haaren den Weinlaubkranz,

ich in den Augen der Lustnacht Glanz,

wie wir uns taumelnd umwanden?

Weißt du noch? Meine Leidenschaft steckte dich an,

immer den Berghang höher hinan

drängtest du abseits der Menge,

bis ich am äußersten Weingutrand

eine liebliche Hütte fand,

eine verlockende Enge.

Manchmal traf von der Winzer Chor

ein verlorener Klang unser Ohr,

manchmal sprühten Raketen.

Sanft umwob uns mit blauseidnem Kleid

thymian duftende Einsamkeit,

lauliche Hauche wehten.

Drunten bei schwelender Fackeln Schein

mochten sie tanzen in jauchzenden Reihn,

neidlos weilten wir ferne.

Wir im umrankten Kämmerlein

waren uns Reigen und Becher und Wein,

wir im Glanze der Sterne!

Weißt du noch, wie es damals war?

Wieder neigt sich herbstlich das Jahr,

aber die Nebel brauen.

Keine Traube glüht mehr am Hang,

und wir beide schleppen uns bang

durch ersterbende Auen.