Der Sommerabend
E. Grell
O du schöner, gold'ner Abend,
wie ist mild und sanft dein Strahl!
Wie erfrischend, wie erlabend
senkst du dich auf Höh' und Tal!
Nirgend Glut, ein Rosenflimmer
glänzt im Hauch der süßen Luft;
alles warmer, weicher Schimmer,
alles würzig reiner Duft.
Wie mit Geisterarmen greifen
blasse Nebel in das Land,
zarte, dünne Silberstreifen
halten Wald und Wies' umspannt.
Und des Tages Lärm verhallet,
und vorbei ist Müh' und Pein,
sel'ger Himmelsfriede wallet
in des Menschen Herz hinein.