Glockenruf

E. Grell

Rufen nicht die Glockentöne:

"Komm, o komm"?

Erdentöchter, Erdensöhne,

Werdet fromm!

Mächtig tönen sie hernieder:

Tief im Herzen hallt es wieder:

Kindlein, wandle fromm!

Rufen nicht die Glockenschläge:

"Komm, o komm"?

Seid nicht müßig, seid nicht träge:

Gott ist fromm;

Denen wirkt er großen Frieden,

Die im Guten nicht ermüden:

Darum wandelt fromm!

Rufet nicht das Festgeläute:

"Komm, o komm"?

Alle Tage, so wie heute,

Wandelt fromm!

Mag das gute Herz es wagen,

Augenblicke auszuschlagen?

Ists nicht immer fromm?

Ruft es nicht, wenn Glocken schallen:

"Komm, o komm"?

Nahe dich des Tempels Hallen

Gern und fromm.

Habe lieb den Ort des Höchsten:

Gott ist mir, ich ihm am nächsten,

Wo ich bete fromm.

Darum, wann die Glocken rufen:

"Komm, o komm!"

Nah ich mich des Altars Stufen

Still und fromm.

Nie vergebens sei ihr Mahnen:

"Werdet Gottes Unterthanen!"

Ja, Herr, mach mich fromm!