Reiselust

E. Greve

Ich will mir 'mal die Welt beseh'n,

Will wandern in die Weite;

Denn stets im alten Gleis' zu geh'n,

Macht wahrlich wenig Freude;

Drum sich's gar wohl der Mühe lohnt,

Zu seh'n, wer hinterm Berge wohnt.

Sonst glaubte man die liebe Welt

Mit Bretern zugeschlagen,

Doch seit man was aufs Reisen hält,

Da kann man's anders sagen.

Die Fremd' macht Leut', das Sprüchwort spricht,

Und glaubt mir nur, es lüget nicht.

Manch Wunderding im fernen Land'

Kommt uns da vor die Augen,

Die fremde Weise, wohl erkannt,

Kann man zu Hause brauchen;

Kunst, Sitten, Arbeit fremder Leut'

Nützt allen Menschen weit und breit.

Drum nehm' ich jetzt den Wanderstab,

Das Ränzchen auf den Rücken,

Und wandere Berg auf, Berg ab

Mit aufmerksamen Blicken;

Und wenn ich hab' recht Viel geseh'n,

So will ich wieder heimwärts geh'n.