Es rauscht eine Welle durchs weite Meer

E. Hermes

Es rauscht eine Welle durchs weite Meer

Und hinter ihr rauscht eine andere her

Sich liebend ihr beizugesellen;

Doch wie sie auch fluthet und woget und schwillt,

Nie wird ihr Hoffen und Sehnsucht gestillt,

Am Ufer muß sie zerschellen.

Droben am schimmernden Himmelszelt

Zieht eine Wolke über die Welt,

Eine and're im Flug zu ereilen;

Doch wie sie auch wallet in sehnender Hast,

Es hilflt keine Eile, vom Sturm erfaßt,

Muß sie sich in Nebel zertheilen.

Ich weiß ein Herz in verborgener Brust,

Das gäbe so gern seinen Schmerz, seine Lust

Einem andern Herzen zueigen;

Doch wie es auf seufzen und sehnen mag,

Nie wird es vernehmen des andern Schlag,

Brechen wird es und schweigen!