Sturmwind

E. Hess

Aus der Wüste, wo er schlief,

Sturmwind kam gezogen,

Männer und Rosse begrub er tief

Unter des Sandes Wogen.

Weiter flog er zum grauen Meer

Ohne Ruhen und Rasten,

Schiffe jagte er vor sich her

Mit zerknickten Masten.

Sturmwind kam in's Alpenland,

Kam mit Adlerschnelle,

Und von eisbedeckter Wand

Stürzte er rollende Bälle.

Heulend kam er angebraust,

Fiel in den Wald, den dichten,

Krachend unter seiner Faust

Sanken die Eichen und Fichten.

In die Reichsstadt kam der Sturm

Rüttelnd an Thür und Riegel,

Brach die Fahne vom Kirchenthurm,

Warf von den Dächern die Ziegel,

Zauste die Mäntel im Übermuth

Männern, Weibern und Knaben,

Und des Bürgermeisters Hut

Wehte er in den Graben.

Weiter brauste der wilde Wind,

Kam an einen Garten,

Drinnen ging ein stilles Kind,

Knospender Blüthen zu warten.

Als der Wind zur Holden kam,

Thät er fein sie grüssen,

Und der Wüstenleu lag zahm

Vor zwei niedlichen Füssen.