Lenz

E. Hildach

Die Finken schlagen, der Lenz ist da!

Und keiner kann sagen, wie es geschah,

Er ist leise kommen wohl über Nacht

Und plötzlich entglommen in alter Pracht,

Es rieseln die Quellen, es wehet lau,

Die Knospen schwellen, der Himmel ist blau,

Laßt läuten die Glocken fern und nah,

Sie sollen frohlocken: der Lenz ist da!

Hinaus in die Fluren, ins grüne Land!

Das sind feine Spuren am Bronnenrand,

Da ist er gegangen in nächtiger Stund',

Die Luft auf den Wangen, ein Lied in dem Mund,

Und um ihn, im Kreise luftig gereiht,

Da wandelte leise sein Elfengeleit:

Wo er immer geschritten, da blühen zu Hauf

Aus den weichen Tritten die Primeln auf,

Da hat aus seinen Locken der säuselnde Wind

Narcissen und Glocken entführet gelind.

Wohin nur ein Weilchen sein Auge geschaut

Da blühen die Veilchen, daß Alles blaut,

Seines Liedes klingendes kleinstes Wort

Flog als ein singendes Vögelein fort,

In Thälern und Gründen fern und nah

Mit Jauchzen zu künden: der Lenz ist da!

Jetzt kommen sie wieder, die Tage der Wonne,

Die Tage der Lieder, der Blüthen, der Sonne,

Und das allverforgende Himmelblau, --

Jetzt kommen die Morgende voller Thau,

Mit dem duftigen, rothen Wolkengeleit,

Den lieblichen Boten lieblicher Zeit,

Kommt der warme Regen zur Dämmerstund',

Der funkelnde Segen für Blumenmund'

Und drauf der berauschende süße Duft

Und die lauschende, ahnende Abendluft,

Und wenn schon der milde Friedensstern

Übers Gefilde blickt von fern,

Lerche sich schwinget auf noch einmal,

Daß sie erringet den letzten Strahl;

Die am höchsten dringet ins blaue Zelt,

Als Botin bringet den Dank der Welt,

Und den Sternenschranken des Himmels nah

Tönt's: Gott! wir danken, Dein Lenz ist da! --