Am Rhein

Humperdinck, Engelbert

Wenn im sonnigen Herbste die Trauben schwillt

am sagenumwobenen Rhein,

wie so freudig der Sang aus der Seele quillt

beim funkelnden, köstlichen Wein!

O du herrlicher, wonniger Wandertag

am Rhein, am sonnigen Rhein,

o du fröhlicher, lachender Menschenschlag

am Rhein, am sonnigen Rhein!

Und im Lenz wenn die Erde in Blüten steht

am sagenumwobenen Rhein,

wenn der Odem der Liebe die Brust durchweht,

Herzliebste, gedenke ich Dein!

O du fröhliche, selige Minnezeit

am Rhein, am sonnigen Rhein,

wo der Himmel so blau und das Herz so weit

am Rhein, am sonnigen Rhein!

Wenn dereinst mir Freund Hein mit der Sense winkt

am sagenumwobenen Rhein,

gib mir her den Pokal, eh' das Haupt mir sinkt,

und füll' ihn mit labendem Wein!

O du friedlich verglimmendes Abendot

am Rhein, am sonnigen Rhein,

o du leichter, versöhnder Zechertod

am Rhein, am sonnigen Rhein!

Doch so lang' uns die Jugend die Locken kränzt

am sagenumwobenen Rhein,

sei von liebender Hand mir das Glas kredenzt,

mit funkelndem, köstlichem Wein!

Sei geschaut in der leuchtendsten Augen Pracht

am Rhein, am sonnigen Rhein,

sei geherzt und geküsst in der Maiennacht

am Rhein, am sonnigen Rhein!