Dein grünes, stilles Tal

Humperdinck, Engelbert

Dein grünes, stilles Tal,

geküsst vom Sonnenstrahl,

all deine Städtchen, Moselstrom,

von Metz bis an Sankt Castors Dom;

dein grünes, stilles Tal,

wann lässt es mich einmal?

Und ach! dein Wein!

O blanker, lieblicher Moselwein!

Du dehnst im Schlangengang

den Weg noch eins so lang,

die Berge ziehn, ein endlos Heer,

an dir vorbei von Segen schwer;

du dehnst im Schlangengang

den Weg am Felsenhang,

du wächst der Wein!

O blanker, lieblicher Moselwein!

Wenn tief im Märzenschnee

noch Soon und Eifelhöh,

dann ruft im Tal der Sonnenschein:

Geht auf, ihr Rebenäugelein!

Wenn tief im Märzenschnee

ich rings die Berge seh',

treibt hier der Wein!

O blanker, lieblicher Moselwein!

Am Sankt Johannistag

verblüht der Rosenhag,

doch Traubenblüten duften süß,

als wäre hier das Paradies.

Am Sankt Johannistag,

was da wohl werden mag?

Da wird der Wein!

O blanker, duftiger Moselwein!

Und wenn's zum Herbste geht,

die Welt in Freuden steht:

Zur Traubenlese Winzersang

erschallt das Tal entlang.

Und wenn's zum Herbste geht

Und man die Kelter dreht,

dann gibt es Wein!

O blanker, lieblicher Moselwein!

Und friert's aus Nord und Ost,

im Keller da ist kein Frost,

da lachen Lenz und Maienluft,

und Moselblümchen spenden Duft.

Und friert's aus Nord und Ost,

vergärt der süße Most

und wird zu Wein!

O blanker, lieblicher Moselwein!

Du goldner Moselwein,

wann magst nur am schönsten sein?

Wenn eine blonde Moselbraut

ihr Bild in deinem Spiegel schaut.

Du goldner Moselwein,

wie spiegelst du so fein!

Du goldner Wein!

O blanker, lieblicher Moselwein!