Zur Erntezeit

E. Křenek

I

Das ist die üppige Sommerzeit,

Wo alles so schweigend blüht und glüht,

Des Juli stolzierende Herrlichkeit

Langsam das schimmernde Land durchzieht.

Ich hör ein heimliches Dröhnen gehn

Fern in des Gebirges dämmerndem Blau;

Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,

Sie schneiden die Sorge auf brennender Au.

Sie sehnen sich nach Gewitternacht,

Nach Sturm und Regen und Donnerschlag,

Nach einer wogenden Freiheitsschlacht

Und einem entscheidenden Völkertag!

II

Es deckt der weiche Buchenschlag

Gleich einem grünen Samtgewand,

So weit mein Auge reichen mag,

Das hügelübergoßne Land.

Und sachte streicht darüber hin

Mit linder Hand ein leiser West,

Der Himmel hoch mit stillem Glühn

Sein blaues Aug drauf ruhen läßt.

Mir ist, ich trag ein grünes Kleid

Von Sammet, und die weiche Hand

Von einer schweigsam holden Maid

Streicht es mit ordnendem Verstand.

Wie sie so freundlich sich bemüht,

Duld ich die leichte Unruh gern,

Indes sie mir ins Auge sieht

Mit ihres Auges blauem Stern.

Uns beiden ist, dem Land und mir,

So innerlich, von Grund aus, wohl –

Doch schau, was geht im Feldweg hier,

Den Blick so scheu, die Wange hohl?

Ein Heimatloser sputet sich

Waldeinwärts durch den grünen Plan –

Das Menschenelend krabbelt mich

Wie eine schwarze Wolfsspinn' an!