Die beiden Wolken

E. Lassen

Eine Wolke seh' ich wandern,

Eine Wolke seh' ich zieh'n;

Hoch und ferne von den andern,

Hoch und heiter schwebt sie hin.

Abendsonnenglanz umzittert

Ihre Ränder rein und hold,

Bis, von Himmelshauch umwittert,

Sie zerrinnt in Aethergold.

Eine and're seh' ich schweben

Tief und schwer am Bergeshang:

Ach es lockt des Thales Leben

Sie mit allzuholdem Zwang!

Ärmste, nicht an Sonnenküssen,

Ahn' ich, wirst du zart verweh'n:

Wohl in bittern Thränengüssen

Wirst du strömend niedergeh'n!