Lebenslied

E. Lassen

O himmlische Wonne des Lebens,

Urewig blühend und hold,

Hoch über der Öde des Abgrunds

Hältst du dein Banner entrollt,

Und strömst im Glanze der Sonnen,

Im rosigen Lichte des Seins,

Mit dunklen Todeswonnen

Geheimnißvoll in Eins.

O holdes Wiegen und Wallen,

O sel'ges Streben und Ruh'n,

O jauchzendes Steigen und Fallen,

O süßes Träumen und Thun!

O du schimmernde Lebenshelle,

O du selige Todesnacht --

Auf wechselnder Daseinswelle

Wie faß' ich alle die Pracht?

Ich möchte wonnig gerne

In jeder Blume blüh n,

Ich möcht' in jedem Sterne

Des Himmels selig glüh'n;

Auf den Schwingen jedes Falters

Möcht' ich gaukeln durchs blumige Grün,

Und im Wirbel des Lerchenpsalters

Hinsterben in Melodie'n.

Ich möchte mit allen Wellen

Mich berauschen im Sonnenglanz,

Und in Schaumesfunken zerschellen

Im jauchzenden Sturmestanz.

Ich möchte mit allen Gewittern

Hinzieh'n über Berg und Thal,

Und mit jeder Eiche zersplittern

Die berührt der himmlische Stral.

O flössen in mir zusammen

Die Ströme des Lebens all --

Um, vereint in seligen Flammen

Aufsprühend allzumahl,

Das süße Leben zu trinken

Im goldenen Morgenroth,

Und vereint in den Schooß zu sinken

Dem noch viel süßeren Tod.