Märzenblume

E. Lassen

Märzenblume, Märzenblume,

Wie ein Banner auf dem Tische

Stehst Du zu des Frühlings Ruhme

Aufgepflanzt in voller Frische;

In das Weite mich zu drängen,

Läuten leise Deine Glocken,

Aber meine Blicke hängen

Traurig an den weißen Flocken.

Weiße Flocken, weiße Flocken,

Säh' ich noch euch draußen treiben,

Hört' ich noch den Sturm frohlocken,

Könnt' ich froh und glücklich bleiben,

All' des Lenzes Lust und Fülle

Gäb' ich, wenn der Winter bliebe,

Unter seiner rauhen Hülle

Blühte meine süße Liebe.

Süße Liebe, süße Liebe,

Wie der Schnee bist Du zerronnen,

Bangten Deine zarten Triebe,

Hell sich vor der Welt zu sonnen?

Mitleid streut dem kleinen Sänger

Wohl im Winter eine Krume,

Doch das Mitleid währt nicht länger,

Als zur ersten Märzenblume.

Märzenblume, Märzenblume,

Eine Gruft hat sich geschlossen,

Und aus ihrem Heiligthume

Seh' ich eine Blume sprossen,

Heißet Dulden und Entsagen,

Blüht, wie Du, mit weißem Schimmer --

Muß ich auch den Lenz ertragen,

Sein mich freuen kann ich nimmer!