Mittag

E. Lassen

Wie still die Luft; kein Blatt bewegt sich

Rings in den Buchen, dichtbelaubt;

Der Sonne letzter Strahl, er legt sich

Den stolzen Bäumen auf das Haupt.

Und wie in Schlummer hingesunken,

Liegt rings die schöne, weite Welt,

Noch von dem Glanz der Sonne trunken,

Der farbenprächtig sie erhellt.

Es wirft der Abend seine Schatten

Und seine tiefen Schweigens Spur

Rings auf der Wiesen grüne Matten,

Auf Thal und Hügel, Feld und Flur.

Und aus dem Walde kommt geschritten

Der stolze Hirsch, das scheue Reh;

Sie nahen sich mit flücht'gen Tritten

Dem stillen, schilfumkränzten See.

Es tritt der Mond am Waldessaume

In stiller Majestät hervor,

Die Birken flüstern wie im Traume,

Und leise regt sich Schilf und Rohr.

Dazwischen schallt in banger Klage

Mit lautem Ton des Uhus Schrei,

Er fliegt mit leisem Flügelschlage

Am Saum des Waldes dir vorbei.

Die Sterne ziehn im ew'gen Wandern,

Um zu vollbringen ihren Lauf,

Hell leuchtend, einer nach dem andern,

Am ew'gen Himmelsdom herauf.

Und ringsum liegt ein heil'ger Frieden

Auf Wald und Flügel, Flur und Thal;

O, würde deiner Brust hinieden

Solch heil'ge Ruhe auch einmal!