Sommerabend
E. Lassen
Das ist die Zeit der Rosenpracht --
O Herz, Gott wolle Dich hüten!
Sie glänzen am Tag, durchglühen die Nacht,
Sie treiben, sie knospen, sie blühen mit Macht,
Die Knospen verdrängen die Blüthen.
Das ist kein Blüh'n, wie das Veilchen blüht:
Verborgen, gebückt und flehend --
Das ist ein Blühen, das Flammen sprüht,
Die Welt berauscht, die Welt umglüht,
Im feurigen Kusse vergehend.
Und die Gluth ist nicht weg, wenn die Nacht anbricht,
Der Welt will die Ruhe nicht taugen!
Die Geister der Sonne verlassen sie nicht:
Sie strömen aus schwirrenden Käfern Licht,
Sie funkeln aus schöner Augen.
Ein Flüstern, ein Necken geht durch die Nacht,
Am Himmel ein Leuchten von Wettern!
Das ist die Zeit der Rosenpracht:
Ein Meer von Knospen quillt auf und verlacht
Die Blumen, die sterbend entblättern!