Sie singt
E. Melartin
Wenn ich in meinem Bette lieg',
Draußen ist tiefe Nacht,
Werd' ich von seinem Arm gewiegt,
Bis ich die Augen zugemacht.
Oft singt er mir dann Liedlein vor,
Als wär' ich noch ein Kind,
Und Dinge tauchen empor,
Die lang vergessen sind:
Ein hohler Baum am Wege,
Ein Wasser unterm Stege,
Die große Weide vor der Stadt,
Die im Frühling so viele Kätzchen hat,
Trollblumen auf der Wiese
Und unsre schwarze Kuh, die Lise.
Ich denke dann bei mir allein,
Ich werd' einmal so singen,
Der Mond sieht zu.
Mein Lied wird aber in zwei klein-
kleine Ohren dringen...
Du Liebe du!