Der Friedel und die Nachtigall

E. Meyer-Helmund

Der Friedel zählte Zwanzig kaum,

War frisch und jugendfroh,

Und schlug die Nachtigall im Baum,

Dann sprach der Friedel so:

"Flieg' auf, flieg' auf Frau Nachtigall

Und grüsse mein Lieb viel tausendmal!"

Der Friedel von der Freude schied,

Sein Herz war sterbenswund,

Und sang die Nachtigall ihr Lied,

So sprach sein bleicher Mund:

"O Nachtigall sei still, sei still!

Mein armes Herze brechen will."

Jetzt hat er Runzeln überall,

Sein Lockenhaar verblich,

Und hört er eine Nachtigall,

Dann denkt er so bei sich:

"Die Nachtigall ein Vogel ist,

Der fleissig singt und Würmer frisst."