Die Jugendzeit
E. Meyer-Helmund
Mir tönt aus fernen Zeiten
ein Wort, so wunderbar,
da fremd noch jedes Leiden,
als braun noch wallt' das Haar.
Keck sah ich in die Sonne
voll Lebensübermut,
unendlich schien die Wonne
dem jungen, lust'gen Blut.
Denn über allen Zauber:
blühender Jugend selige Zeit,
o Jugend, goldene Jugend,
das Herz, du machst es weit;
blühendes Herz, wie bist du weit!
Ich seh' am grünen Rheine
ein kleines Hüttchen steh'n,
dort hab' die holde Meine
zum ersten Mal ich 'seh'n.
Wir lebten Rosenstunden,
sie lag an meiner Brust,
wohin seid ihr geschwunden,
ihr Tage reinster Lust?
Denn über allen Zauber:
grünender Liebe wonnige Zeit,
o Liebe, grünende Liebe,
das Herz, du machst es weit,
blühendes Herz, wie bist du weit!
Die Liebe ist gezogen,
der Tag hat sich geneigt,
das Glück hat sich verflogen,
das Haar ist weiß gebleicht.
Nur Eines, das will halten,
ein Anker auf Meeresgrund,
besiegend Gewalten,
spricht es mit treuem Mund:
Erinn'rung meiner Jugend,
grünender Liebe wonnige Zeit,
du Morgenrot meines Lebens,
das Herz, du machst es weit,
blühendes Herz, wie bist du weit!