Wiegenlied der Verlassenen

E. Meyer-Helmund

Schlaf, Bübchen, schlaf,

dein Vater ist ein Graf,

deine Mutter war ein thöricht Kind,

ein einfach, thöricht Kind.

Schlaf, Bübchen, ein,

er war gar hold und fein;

er sprach von Treu manch süßes Wort,

die Winde trugen's fort.

Schlaf, schlaf, mein Lieb,

nun wird mein Singen trüb,

eine stolze Braut dein Vater freit,

das ist mein Herzeleid.

Schlaf, Bübchen, mein,

nun sind wir ganz allein,

nun wein' ich meine Augen roth

um bittre, bittre Noth.

Schlaf, Bübchen, schlaf,

dein Vater ist ein Graf,

deine Mutter war ein thöricht Kind,

ein thöricht, thöricht Kind!