Die Trennung

E. Nápravník

Mein trauter Schatz, seit ich von dir gegangen,

träumt hin mein Geist in wortlos herbem Leid.

Mag Tageslicht den blauen Berg umfangen,

die Herbstnacht mag im Mondschein herrlich prangen,

dich, ferner Schatz, dich suche ich allzeit.

Nur dir allein gilt mein Gedenken, Wähnen,

dich gaukelt mir der schwanke Traum stets vor,

und sinn' ich still, ich muss herbei dich sehnen,

und horche ich, dein Wort vernimmt mein Ohr!

Auch dir gefällt's, o Lira, mit zu klagen,

Vertrauteste der kranken Seele mein;

es klingt dein Ton gar schmerzvoll dumpf darein,

nur Sehnsuchtslaute weißt du vorzutragen.

Du Treueste, so trauern wir zu zwei'n!

Es mögen deine stimmungsvollen Töne

ein Widerhall der Liebeswehmut sein,

und lauschend mag dem Saitenklange dein

aufseufzen tief gar manche ernste Schöne.