Ich fand eine Rose
E. Nauwerk
Ich fand eine Rose kaum halb erblüht
An des Waldes heimlichster Stelle,
So schmeichelnd umkoste sie, sanft erglüht,
Der Lüfte hinspielende Welle --
O du ewiger Himmel, hoch über mir,
Ich mußte sie lieben, was konnt' ich dafür!
Halb gab sie in seliger Ahnung hin
Das Herz dem allmächtigen Lichte,
Halb schloß sie den Kelch mit schüchternem Sinn
Und erröthendem Angesichte --
O du ewiger Himmel, hoch über mir,
Ich mußte sie lieben, was konnt' ich dafür!
Da sah ich der wonnigen Thränen Thau
An den Wimpern hangen und beben,
Verklärt von des Himmels urew'gem Blau,
Durchzittert vom irdischen Leben --
O du ewiger Himmel, hoch über mir,
Ich mußte sie lieben, was konnt' ich dafür!
Ein Jägerhorn tönte so weit, so weit,
In leisem verschwimmenden Schalle!
Mir war, als verschwände so Welt und Zeit
Im flüchtig hinsterbenden Halle --
O du ewiger Himmel, hoch über mir,
Ich mußte sie lieben, was konnt' ich dafür!
So rausche nur hin, vergängliche Zeit,
Ich will mir den Himmel erwerben,
Ich will sie ja lieben in Ewigkeit
Und in Liebe leben und sterben --
O du ewiger Himmel, hoch über mir,
Ich muß sie ja lieben, was kann ich dafür!