Droben, wo die Linde steht

E. Rudorff

Droben, wo die Linde steht,

Haben wir gesessen,

Daß der Wind das Glück verweht,

Haben wir vergessen.

Vögel sangen in Gezweig,

Quellen rauschen munter,

In des Frühlings blühend Reich

Sahen wir hinunter.

Unsre Blicke flogen weit,

Mit des Frühlings Reichen

Unsre eigne Seligkeit

Scherzen zu vergleichen.

Dort nur, wo die Kreuze stehn

Auf dem Hügelgrunde,

Hatten wir nicht hingesehn

In beglückter Stunde.

Ahnten nicht, daß auch der Tod

Theil am Frühling habe

Und die Rosen, frisch und roth,

Blühen auf dem Grabe.

Daß ich einmal auch allein

Droben weilen müsse,

Unter Kreuz und Leichenstein

Meinen Frühling grüsse.