Im Gartenhause

E. Rudorff

Ich sitz' im Gartenhause

Still in der Dämmerung;

Vor'm Fenster flüstern krause

Blattranken grün und jung.

Viel muntre kleine Rosen

Gucken darunter vor,

Sie wollen mit mir tosen,

Habe für sie kein Ohr.

Zwei stämm'ge Apfelbäume

Blühen dort voll und reich,

Und meine Kinderträume

Hangen an jedem Zweig.

Der Vater hat am Garten

Immer sein Herz ergötzt,

Kann seiner nicht mehr warten,

Denn er ward beigesetzt.

Die Bäume und das Gesträuche

Pflanzt er in sauren Mühn;

Der Vater ward eine Leiche,

Bäume und Sträucher blühn.

Er hat hier oft gesessen --

-- 'S ist meiner Eltern Haus --

Getrunken und gegessen:

Das ist nun lange aus!

Mir thönen ferne Glocken

Weinenden Wehmutsklang;

Die alten Zeiten locken

Heimlich mit ernstem Sang.

Und wenn der Mond erschienen,

Voll seine Scheibe weist,

So tritt mit stillen Mienen

Zu mir des Vaters Geist.

Ich bitt' ihn oft, zu gehen;

'S ist mir so schauerlich.

Er bleibt geduldig stehen,

Blickt immerdar auf mich.

Wer hat dir todtem Greise

Grabes Frieden geraubt? --

Er schweigt, und schüttelt leise --

Warnend das Nebelhaupt