Die Sultanin

E. Schmezer

In stiller Nacht die Sultanin wacht,

Die Odalisken träumen.

Sie faßt der Sehnsucht glühende Macht:

Wo mag der Geliebte säumen?

Es flüstern die Sykomoren:

Verloren! verloren!

Voll süßer Narden schwimmt die Luft,

Die Blumen kosen und küssen.

Die Liebe lockt, die Liebe ruft,

Sie kann ihn nicht grüßen und küssen.

[Es flüstern die Sykomoren:

Verloren! verloren!]

Die Liebe singt, die Liebe [klingt

Im Flammenwirbeln der] Sterne.

Ihr Busen woget, ihr Herz es springt...

Ersehnter, wo hält dich die Ferne?

Es flüstern die Sykomoren:

Verloren! verloren!

Was rauschet, horch! was hallt für Ton?

Was krächzen die Meeres-Raben?

An einer Ceder am Libanon

Dort liegt der Geliebte begraben!

Es flüstern die Sykomoren!

Verloren! verloren!