Schön Nelly

E. Schmezer

An Bächleins Rand am Sommertag,

Im leichten Sommerkleid,

Im Blumenduft schön Nelly lag

In Schlaf und Lieb die Maid;

Jung Willie durch den Wald da geht,

Der oft um ihre Gunst gefleht,

Er sieht, wird roth,

Er glüht, o Noth!

Und zittert, wie er steht.

Im Auge nun die Pfeile ruhn,

Fest in des Köchers Schooß;

Die Lippen thun sich auf, und nun

Wird roth vom Hauch die Ros'.

Die Lilie blickt, küßt süß gedrückt,

Berauscht vor Lust die Lilienbrust;

Er sieht, wird roth,

Er glüht, o Noth!

Und bebt vor Qual und Lust.

Ihr leichtes Kleid im Wind umschmiegt

Die reizende Gestalt;

Und wie sie liegt, sein Herz besiegt

Der Schönheit Allgewalt.

Der Pulse Glut ihm da nicht ruht,

Bis einen heißen Kuß er stahl.

Er sieht, wird roth,

Er glüht, o Noth!

In heißer Herzensqual.

So wie ein Rebhuhn aus dem Busch

Auffährt, von Furcht beschwingt,

Fährt Nelly auf, halb wach, und husch

Sie aufgescheucht entspringt:

Doch Willie rasch ihr nach, und bald

Hat er sie eingeholt im Wald.

Bat, schwur 'nen Eid,

Und ach die Maid,

Die Maid vergab ihm bald.