Lied und Liebe

E. Schultz

Spazier' ich so die Gass' entlang,

Wenn kaum der Tag verrauschet,

Dann heb' ich an einen hellen Sang,

Dem manch ein Dirnlein lauschet.

Wo eins in Liebchens Armen ruht,

Dem dünkt das Liedel wundergut;

Wo einsam weint ein junges Blut,

Dem soll's gar tröstlich frommen.

So weit der goldne Sonnenschein

Mag auf die Erde blicken,

Will sich zusammen nichts so fein

Als Lieb' und Musik schicken.

Das wußt' auch König David wohl

Und sang zur Harf' in Dur und Moll

Höchst meisterlich und wundervoll

Die allerbesten Lieder.

Und dies geschah vor Alters schon,

Ist dennoch wahr geblieben;

Ich mein', ich säß' auf Davids Thron,

Sing' ich ein Lied vom Lieben.

Und wer dies Liedel hat erdacht,

Der hat so manche liebe Nacht

Ein Ständchen seinem Schatz gebracht.

Die ließ ihn ein zum Danke.