Phantasie

E. Seuffert

O ungestörtes Wonneleben!

Ich habe Dich! Du bist bei mir!

Und ist doch nur ein Träumen eben

So fern von Dir!

Es schwebt Dein Bild, im Hauch vollendet,

Vor mir, wenn ich es werden hieß

Von Kräften, die uns Gott gespendet,

Die höchste dies!

Nicht reizender aus Wellenschäumen

Stieg Venus lächelnd einst empor,

Als da, wenn ich in wachen Träumen

Dein Bild beschwor.

Wie fühl' ich mich aus Gott entsprungen,

Wie Strahl, aus seinem Licht entfacht,

Wenn ich die Ferne so bezwungen

Durch Geistesmacht.

Und doch in meiner Gottesnähe

Mahnt mich der Wunsch fast spöttisch bang:

„Wer Dich doch einmal wiedersähe

Minutenlang!”