Heimkehr

E. Sperling

Senne.

Kennst du das Gebirge dort,

Auf den Gipfeln Glanz und Schnee,

Weiße Schlösser stehen hoch,

Unten wogt der grüne See?

Wanderer.

Meine Heimath kenn' ich wohl,

Habe mich gesehnt so sehr

Zu den Bergen himmelhoch,

Zu den stillen Thälern her.

Senne.

Traurig bist du, Wandersmann?

Lebt dir keine Freude hier,

Liebchen hold und blondgelockt,

Wahrend treue Liebe dir?

Wanderer.

Kannte wohl vor langer Zeit

Eine Blume weiß und roth,

Schmerzlich hab' ich sie geliebt,

Doch -- nun aber ist sie todt.

Mit den Elfen tanzet sie

In der hellen Mondennacht,

Und ich ziehe traurig hin,

Meine Ruh' ist umgebracht.

Senne.

Hast du einen Vater nicht,

Der des Sohnes gern gedenkt,

Sich des Wand'rers innig freut,

Der die Schritte heimwärts lenkt?

Wanderer.

Über meines Vaters Bett

Weht ein junger Tannenbaum,

Grüner Rasen deckt ihn zu,

Schenke Gott ihm süßen Traum!

Senne.

Hast du eine Mutter nicht,

Die sich ihres Kindes freut,

Heimlich und doch freudig hofft

Und dir fromme Thränen weiht?

Wanderer.

Mutterauge wurde roth,

Thränenfeucht die welke Hand,

Nun ich mit dem Harfenspiel'

Streiche bettelnd durch das Land.