Die Kerzen sind herabgebrannt

E. Sulzbach

Die Kerzen sind herabgebrannt,

Geleert die Becher, welk die Kränze --

Nun reich' noch einmal mir die Hand:

Ade der Jugend und dem Lenze!

Und krümmt sich mir das Herz vor Weh,

Du willst es so, es muß geschehen --

Der Liebe und dem Glück ade!

Ade! -- und dann... dann laß mich gehen...

Wol

träumt' ich einst im wirren Hirn

Von Wonnen, welche nie verfliegen,

Von Rosen, die um unsre Stirn

Nur immer duftiger sich schmiegen;

Befreit vom alten Fluch der Zeit,

Schwebt' ich auf Wogen des Gesanges,

Es waren Lieb' und Ewigkeit

Für mich zwei Worte gleichen Klanges.

Du freilich -- nun, du warntest mich

Und sprachst vom Unbestand der Stunde,

Mit stolzem Lächeln hört' ich dich,

Die Warnung küßt' ich dir vom Munde.

Und doch zu spät jetzt seh' ich ein:

Du warst, trotz deiner jungen Jahre,

Die Weise, ich der Narr allein,

Der Narr, o Gott, mit grauem Haare...

Und was nun weiter, fragst du? Pah,

Als ob es noch ein Weiter gäbe,

Als ob es, seit mir dies geschah,

Nicht Eins, ich sterbe oder lebe!

Doch werd' ich leben, o gewiß:

Ein Leben -- niemand soll es spüren --

Wie es in Qual und Finsterniß

Die Seelen der Verdammten führen.

Und wie indeß die Tage dir,

Die liebeleeren, werden schwinden?

Und ob kein Traumgesicht von mir

Den Weg zu deinem Bett wird finden?

Ich weiß es nicht -- ich weiß nur Eins:

Mein Herz, ein Herz voll kind'scher Treue,

Ist Asche jetzt -- Gott stärke deins

Und schütze dich, o Weib, vor Reue...