Du meinst, o liebe Mutter

E. Sulzbach

Du meinst, o liebe Mutter,

Wenn ich beim Liebsten bin,

Es käm' uns gar nichts and'res

Als küssen in den Sinn.

Du irrst, o liebe Mutter!

Ich darf den Liebsten ja,

Auch wenn du's siehest, küssen.

Sieh' her, ich küss' ihn da.

Doch wenn allein wir sitzen

In stiller Traulichkeit,

Wie ernstliche Gedanken

Verkürzen uns die Zeit!

Wie hat mir wicht'ge Dinge

Der Liebste zu vertraun!

Er gibt sein Herz, sein Leben,

Von Grund aus mir zu schaun.

Er will mir nichts verhehlen,

Und ihm verhehl' ich nichts.

Wir kennen unsre Seelen,

Wie Züge des Gesichts.

Denn Alles muß auf Erden

Sein zwischen uns ganz klar,

Bevor wir können werden

Ein wohlverständigt Paar.