Liebesmacht

E. Sulzbach

O wundervolle Liebesmacht,

Die alten Flammen neu entfacht,

Daß aus der Asche stumm und kalt

Dir neue Glut entgegenwallt!

Fühllos war meine Brust, wie Erz,

Gestorben wähnt ich längst mein Herz,

Einförmig rann der Tage Fluß,

Ich lebte, weil ich leben muß.

Da, wie aus Wolken dumpf und schwer

Herniederflammt ein Feuermeer,

So in die Seele mir hinein

Brach deines Auges Flammenschein.

Und wie im Lenz der Sonne Strahl

Das Leben weckt in Berg und Thal,

So sproßt aus meines Herzens Schacht

Ein neuer Mai in Blütenpracht.

Schon zittert leise durch die Brust

Ein Widerschein mir künft'ger Lust,

Schon tönen Lieder aus und ein;

Ich fühl's, noch kann ich glücklich sein.

Doch weißt du auch, daß auf den Mai

Der Sommer immer kommt herbei?

Doch ahnst du auch, o ahnst du schon,

Was diese Flammen noch uns drohn?!

Sei's -! Ob zu Asche brennt dies Herz,

Gesegnet dennoch, süßer Schmerz!

Ja wenn die Glut mich tödten soll,

Auch solch ein Tod ist wonnevoll!