Stromüber
E. Sulzbach
Wir fuhren zusammen in schweigender Nacht
Hinüber den stillen Strom;
Die Sterne standen in funkelnder Pracht
Hoch über dem riesigen Dom.
Gespenstig lag am Ufer die Stadt
In tiefe Schatten getaucht,
Als hätt' ihr Leben sie freudensatt
Bis zum letzten Zuge verhaucht.
Einförmig tönte der Ruderschlag,
Die Wellen rauschten so mild...
Auf ihrem gebrochenen Spiegel lag
Dein zitterndes Schattenbild.
Und schneller theilte die Wellen der Kahn,
Da ward mir auf einmal zu Muth,
Als würde zum stürmenden Ocean
Die rauschende Wasserflut.
Als trieb uns auf nächtigem Geisterschiff
Der Sturm ohne Rast und Ruh
Durch Brandung und Wirbel, um Klippen und Riff
Dem Lande der Seligen zu.
wie weit ich auch blickte, es zeigte sich nicht,
Du bebtest und schautest mich an,
Da ward in dem lieblichsten Angesicht
Der Himmel mir aufgethan!