Reiterlied

E. Taubert

Ein Reiter ritt aus heißer Schlacht

Auf müdem Rosse still und sacht

Durch weite, blühende Heide.

Die Heide stand so roth, so roth,

Und Roß und Reiter litten Noth,

Wund waren sie alle beide.

"Lieb Rößlein, bald sind wir in Ruh,

Sag', wieviel Reiter trugest du?"

"Manch einen, doch keinen herwieder;

Dem Einen brach ein Blei das Herz,

Dem Andern durchstach ein Speer das Erz,

Sie stürzten vom Rücken mir nieder."

Kein Lüftchen ging, kein Vogel sang,

Dumpf scholl der Hufschlag, leise klang

Das Schwert in seiner Scheide.

Der Himmel floß in Abendgluth,

Von Roß und Reiter tropfte Blut

Hinab auf die blühende Heide.

"Lieb Reitersmann, Bescheid mir thu',

Wieviele Rosse rittest du?"

"Ach! vielen saß ich im Bügel;

Mit manchem zog ich freudig aus

Und brachte nichts von ihm nach Haus,

Als einen blutigen Zügel."

Das Roß trug keinen Reiter mehr,

Der Reiter ritt kein Roß auch mehr,

Hin sanken sie alle beide.

Und als der Mond sein Licht ergoß,

Da lagen Reitersmann und Roß

Todt in der blühenden Heide.