Lass mich weinen

E. von Lüneburg

Schaust du mir so innig

In das Aug' hinein,

Sprichst du, ewig bin ich,

Meine Liebe, dein;

Muß ich dir erscheinen

Als ein thöricht Blut;

Laß mich dann nur weinen:

Weinen thut so gut.

Fragst du, welch ein Leiden

Mich zu Thränen zwingt?

Kann's die Harfe meiden,

Daß berührt, sie klingt?

Wie der Klang erscheinen

Muß, der in ihr ruht --

Sieh, so muß ich weinen:

Weinen thut so gut.

Wie dich's zwingt, zu dichten,

Ist dein Herz erregt,

Wie dich's muß errichten,

Was dich so bewegt,

Hauchst du nicht in deinen

Liedern aus die Glut;

Herz, so muß ich weinen:

Weinen thut so gut.

Daß sich süßer heben

Kann Violenduft,

Muß ein Träufeln beben

Durch die laue Luft;

Wie du gönnst den kleinen

Blumen Taues Flut;

So laß, Herz, mich weinen:

Weinen thut so gut.