An den Abendstern

E. Wellesz

Abendstern, der Tag verblaßt,

Tritt hervor ins Blau,

Daß ich über meiner Last

Die Verheißung schau.

Bote, brüderlich gesandt,

Sterne Ingesind,

Der den Drein aus Morgenland

Krippe wies und Kind.

Über meinem armen Zelt

Halt ein Weilchen Rast,

Sei der immer dunklern Welt

Immer lichtrer Gast.

Wächter, walte deiner Pflicht,

Es ist Schlafenszeit;

Sammle vor dein Angesicht,

Was der Tag entzweit.

Den, der jetzt noch wandern müßt,

Mach des Wegs gewiß,

Wenn sein Aug das deine grüßt

Durch die Finsternis.