Nächte

E. Wellesz

I.

Das ferne Rauschen selbst der Quellen

Verwehte längst und ging zur Ruh,

Den silberroten Mondeswellen

Neigt sich die nächtige Blüte zu.

Der weiße Flieder atmet leise,

Süß über schwüle Rosenpracht

Klingt eine wundersame Weise,

Und blau verdämmernd liegt die Nacht.

II.

Der Vögel Sonnenlieder starben,

Nachzitternd seiner Königin

Dehnt blaß sich und orangefarben

Der weite Abendhimmel hin.

Und stiller wird die Luft und wärmer,

Kaum daß es sacht herüberdringt,

Wenn surrend ein Ligusterschwärmer

Im Flug aus vollen Kelchen trinkt.

III.

Ein müder Falter, tief im Traume,

Vergißt berauscht das Weiterziehn,

Und wiegt sich auf dem Kronensaume

Des schwülen, schwankenden Jasmin.

Sternrosen spiegeln wirr sich wider

Im sammetdunklen Wasserrand,

Und winkend schimmert weißer Flieder

Wie eine weiche Totenhand.