Der tote Lenz

E. Wolff

Der Frühling starb im Dufte der Syringen

Des blonden Jünglings Bahre ist so leicht,

Daß Kinder sie auf ihren Schultern schwingen

Durch Wiesen tragend, bis der Tag verbleicht.

Im Wald, wo sie die schönsten Lieder singen,

Weil sie den Wald und Lenz am Liebsten haben

Mit Lachen wird der Frühling dort begraben.

Inzwischen weben holde Spinnerinnen

Dem Sommer schon ein schönes Königskleid,

Und in die Fäden, die geschäftig rinnen,

Fließt ihre Lust und all ihr Liebesleid,

Ihr Träumen und ihr mädchenhaftes Sinnen.

Die Schönste wird auf blühend roten Wangen

Als Dank des Sommers einen Kuß empfangen.