Serenade

E. Wolff

Kolombine, nicht erschrecken!

Es sind ja keine Gespenster,

die dich aus dem Schlafe wecken.

Pierrot ist's, der dich liebt,

und der seine Laute stimmt

unter deinem Fenster.

Kolombine, höre mein Singen!

Höre mich an!

Lass meine Lieder zu dir dringen.

Pierrot ist ein gar armer Mann.

Reich an Leiden, reich an Qualen

war meine Lebensfahrt.

Nichts an Leiden, nichts an Qualen

blieb mir erspart.

Manche Frau und manches Mädchen hab' ich gekannt.

Lieben konnte ich noch keine, eh' ich dich fand.

Kolombine, Zarte, Feine, komm' zu mir!

Hier steh' ich im Mondenscheine,

und mein müd' gequältes Herze

sehnet sich heiß nach dir.

Lass die duft'gen Hüllen fallen

und die jungen Glieder strahlen

blühend weiß --

und dann knie' ich vor dir nieder,

küsse dir die jungen Glieder

glühend heiß!

Müde bin ich, Kolombine, müde!

Nimm meinen Kopf in deinen Schoß,

streichle mich mit zarten Händen,

und ich werd' die Schmerzen los.

Kolombine, lass dich küssen,

küss mich wieder --

und ich schenck' dir meine schönsten,

meine reinsten Liebeslieder

eh' wir auseinander müssen.

Kolombine, ich muss gehen, der Morgen graut,

Heute schlag' ich Bajazzo tot, denn du bist seine Braut.