Am Oelberg

E. Zumsteeg

Am Ölberg weiß ich eine Stätte,

entlegen vom Geräusch der Welt;

der Kidron rauscht im tiefen Bette,

der Ölbaum breitet sein Gezelt.

Dort blickt man nicht von stozen Warten

hinaus auf Fluren, Wald und See;

den stillen Hof umzieht ein Garten,

sein Name heißt Gethsemane.

Dort lag der Heißeste der Beter

in dunkler Nacht auf seinen Knien,

dort hat das Kind der frommen Väter

zu Gott gerufen und geschrien.

Dort wurden Seufzer ausgestoßen

in großer Angst und Seelennot;

von der gebeugten Stirne flossen

die schweren Tropfen blutigrot.

O Herr, du hast auch meinen Frieden

gesucht in jener finstern Nacht;

du hast, von allem abgeschieden,

für mich gebetet und gewacht.

Wie sollt ich nicht daran gedenken

und allerorten, wo ich geh,

die Blicke meiner Augen lenken

hinüber nach Gethsemane?