Ein Vögelein den Winter lang

E. Zumsteeg

Ein Vögelein den Winter lang

War in Gefangenschaft.

Oft machte Schmerz ihn weh und bang,

Nur Hoffnung gab ihm Kraft,

Daß nach dem Winter wiederkehrt

Die holde Frühlingszeit.

Erfahrung hat ihn das gelehrt,

Drum hofft's ob's stürmt und schneit.

Sooft ein klarer Sonnenblick

Die Wolken treibt entzwei,

Geht himmelan des Vögleins Blick

In Hoffnung, froh und frei.

Es stärke stets des Schwachen Mut

Bei aller Erdennot

Er, der allein weiß, was ihm gut,

Sein treuer Herr und Gott.