Ulrichs Lied aus dem RomanLichtenstein

E. Zumsteeg

Vom Turme, wo ich oft gesehen

Hernieder auf ein schönes Land,

Vom Turme fremde Fahnen wehen,

Wo meiner Ahnen Banner stand.

Der Väter Hallen sind gebrochen,

Gefallen ist des Enkels Los,

Er birgt, besiegt und ungerochen,

Sich in der Erde tiefem Schoß.

Und wo einst in des Glückes Tagen

Mein Jagdhorn tönte durch's Gefild,

Da meine Feinde gräßlich jagen,

Sie hetzen gar ein edles Wild.

Ich bin das Wild, auf das sie birschen,

Die Bluthund' wetzen schon den Zahn,

Sie dürsten nach dem Schweiß des Hirschen,

Und sein Geweih steht ihnen an.

Die Mörder han in Berg und Heide

Auf mich die Armbrust aufgespannt,

Drum in des Bettlers rauhem Kleide

Durchschleich' ich nachts mein eigen Land.

Wo ich als Herr sonst eingeritten,

Und meinen hohen Gruß entbot,

Da klopf' ich schüchtern an die Hütten

Und bettle um ein Stückchen Brot.

Ihr warft mich aus den eignen Toren,

Doch einmal klopf' ich wieder an,

Drum Mut! noch ist nicht all' verloren,

Ich hab' ein Schwert und bin ein Mann.

Ich wanke nicht, ich will es tragen,

Und ob mein Herz darüber bricht,

So sollen meine Feinde sagen:

Er war ein Mann und wankte nicht.