Sommerabend

Eduard Behm

Die Mutter:

Geh' schlafen, Tochter, schlafen!

Schon fällt der Tau aufs Gras,

Und wen die Tropfen trafen,

Weint bald die Augen naß!

Die Tochter:

Laß weinen, Mutter, weinen!

Das Mondlicht leuchtet hell,

Und wem die Strahlen scheinen,

Dem trocknen Tränen schnell!

Die Mutter:

Geh' schlafen, Tochter, schlafen!

Schon ruft der Kauz im Wald,

Und wen die Töne trafen,

Muß mit ihm klagen bald!

Die Tochter:

Laß klagen, Mutter, klagen!

Die Nachtigall singt hell,

Und wem die Lieder schlagen,

Dem schwindet Trauer schnell!