Schweige still!
Eduard Gustav Sabbath
Vertraue dich dem Licht der Sterne,
Beschleicht dein Herz ein bittres Weh,
Sie sind dir nah' in weiter Ferne,
Wenn Menschen fern in nächster Näh';
Und hast du Thränen noch, so weine,
O, weine satt dich ungesehn,
Doch vor dem Aug' der Menschen scheine,
Als wär' dir nie ein Leid geschehn!
Verdammt die Welt dich in Verblendung,
So such' auf stillem Waldespfad
Dir neuen Muth für deine Sendung,
Für starke Treu' und freie That;
Um vor dir selber zu bestehen,
Trägst du den Sieger in der Brust,
Doch nicht die Menschen laß es sehen,
Wie schweren Kampf du kämpfen mußt.
Ist dir ein schönes Werk gelungen,
So sei's zu neuem dir ein Ruf,
Hast du ein treues Herz errungen,
So denke, daß es Gott dir schuf;
Wenn deine süß entzückte Seele
Ganz voll von heil'ger Freude ist,
O, nicht den Neid der Menschen wähle
Zum Zeugen, daß du glücklich bist!
Verachte kühn der Selbstsucht Streben,
Wie oft sie dir Verfolgung schwur;
Vor keinem Throne steh' mit Beben,
Furcht hegt ein bös Gewissen nur.
Demüthig wirf in nächt'ger Stille
Vor deinem Gott dich auf die Knie'
Und bete: "Es gescheh' dein Wille!"
Doch vor den Menscheu beug' dich nie.
Und wenn dir Gottes Rathschluß sendet
Der schwersten Prüfung höchste Pein,
Dann hast du's, ganz ihm zugewendet,
Mit ihm zu thun und dir allein;
Davon laß nie die Lippen sprechen,
Ob dir das Herz auch brechen will!
Laß es in tausend Stücke brechen,
Doch vor den Menschen schweige still!