Leb wohl! ich scheide

Eduard Rohde

Die duftenden Kräuter auf der Au,

[Die Halm' im frischen Morgenthau,

Die Bäum' im grünen Kleide],

Ein jedes ruft: ich scheide,

Leb wohl! ich scheide.

Die Rosen in ihrer lichten Pracht,

Die Lilien in ihrer Engelstracht,

Die Blümchen auf der Heide,

Ein jedes ruft: ich scheide,

Leb wohl! ich scheide.

Ist Alles nur ein Kommen und Gehn,

Ein Scheiden mehr als Wiedersehn;

Wir freu'n uns, hoffen und leiden,

Und müssen endlich scheiden,

Lebt wohl! wir scheiden.

Wir sahn uns wieder und sahn uns kaum,

Und Alles schwand wie ein schöner Traum,

Wir reichten die Hand uns beide:

[Leb wohl! leb wohl! ich scheide!

Leb wohl! ich scheide!]