Liebesbotschaft

Eduard Stocker

Wolken, die ihr nach Osten eilt,

Wo die eine, die Meine weilt,

All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen

Sollen auf eure Flügel sich schwingen,

Sollen euch Flüchtige

Zu ihr lenken,

Daß die Züchtige

Meiner in Treuen mag gedenken!

Singen noch Morgenträume sie ein,

Schwebet leise zum Garten hinein,

Senket als Tau euch in schattige Räume,

Streuet Perlen auf Blumen und Bäume,

Daß der Holdseligen,

Kommt sie gegangen,

Alle die fröhlichen

Blüten sich öffnen mit lichterem Prangen!

Doch vor des Tages verletzender Gluth,

Freundliche Wolken, o, nehmt sie in Hut!

Wollet in lichtem, in luftigem Schweben

Dann einen duftigen Schleier weben:

Rufet die spielenden

Luftgenossen,

Daß von kühlenden

Westen werde die Süße umflossen!

Und am Abend, in stiller Ruh'

Breitet der sinkenden Sonne euch zu!

Mögt mit Purpur und Gold euch malen,

Mögt in dem Meere von Gluten und Strahlen

Leicht sich schwingende

Schifflein fahren,

Daß sie singende

Engel glaubet auf euch zu gewahren.

Ja, wohl möchten es Engel sein,

Wäre mein Herz gleich ihrem rein;

All' meine Wünsche, mein Hoffen und Singen

Zieht ja dahin auf euren Schwingen,

Euch, ihr Flüchtigen,

Hinzulenken

Zu der Züchtigen,

Der ich einzig nur mag gedenken!