Ich denke dein

Emilie Zumsteeg

Ich denke dein, wenn sich im Blüthenregen

Der Frühling malt,

Und wenn des Sommers mild gereifter Segen

In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend

Gen Himmel hebt,

Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend

Zurücke bebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend

Im Hain verliert,

Und Philomelens Klage leise flötend

Die Seele rührt.

Beim trüben Lampenschein, im bittern Leiden

Gedacht' ich dein,

Die bange Seele flehte, nah am Scheiden:

Gedenke mein!

Ich denke dein, bis wehende Cypressen

Mein Grab umziehn,

Und auch im Tempe's Hain soll unvergessen

Dein Name blühn.