Die Unsichtbaren

Ernst Pepping

Rüste abendlich die Schale,

schütte Milch und backe Brot

dem geheimen Volk zum Mahle.

Geht es, ist die Hausung tot.

Wiege hütet es und Windel

und im Keller Kohl und Wein.

Jeder Stein und jede Schindel

will von ihm bezeichnet sein.

Horche nicht nach ihren Schritten,

geh sie nicht mit Worten an.

Niemals sind sie zu erbitten,

frei ist Gabe, Spruch und Bann.

Manchmal wie ein Mückenschatten

streift es winzig dein Gesicht,

manchmal zwischen Stroh und Latten

blitzt und lischt ein schmales Licht...

Sie bewahren, sie bescheren

deinem Salz die heilige Kraft,

kochen in den Gartenbeeren

prall den sonnensüßen Saft.

In der grünen Flut der Bäume

zählen sie getreu das Laub,

streun in deiner Kinder Träume

Mondenkräuter, Sternenstaub.

Segnen Lust und Tränenfließen,

Speise, Atem, Schlaf und Trank,

auch das letzte Augenschließen,

ohne Bitte, ohne Dank.

Dem geheimen Volk zum Mahle

schütte Milche und backe Brot.

Rüste abendlich die Schale

und verletze kein Gebot.

Und so wird dir alles werden,

dessen wir bedürftig sind:

Tau des Himmels, Fett der Erden,

bis auf Kind und Kindeskind.