Nimmersatte Liebe

Eugen (Francis Charles) d'Albert

So ist die Lieb'! So ist die Lieb'!

Mit Küßen nicht zu stillen:

Wer ist der Tor und will ein Sieb

Mit eitel Wasser füllen?

Und schöpfst du an die tausend Jahr;

Und küßest ewig, ewig gar,

Du tust ihr nie zu Willen.

Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund'

Neu wunderlich Gelüsten;

Wir bißen uns die Lippen wund,

Da wir uns heute küßten.

Das Mädchen hielt in guter Ruh',

Wie's Lämmlein unter'm Messer;

Ihr Auge bat: nur immer zu,

Je weher, desto beßer!

So ist die Lieb', und war auch so,

Wie lang es Liebe giebt,

Und anders war Herr Salomo,

Der Weise, nicht verliebt.