An die Nacht

F. Abt

Sinke nieder, hehre Stille,

Decke lind der Erde Schmerz,

Daß in deines Mantels Hülle

Sanft entschlumm're jedes Herz;

Bringe nieder jede Gabe,

Die dem armen Staub gebricht,

Laß noch an des Dulders Grabe

Mild ergeh'n dein heil'ges Licht.

Laß den Jüngling, dem in Thränen

Einsam trüb der Tag entflie&szigt,

In dem schönsten Traume wähnen:

Als ob Sie ihn hold gegrüßt;

Und was nie die Stunden geben,

Lächl' ihm in dem Geisterreich;

Süßes Haffen, heitres Leben,

Und an sel'ger Liebe reich.

Und die Jungfrau, die in Wonne

Auf zum blauen Himmel schaut,

Und die jeder Nebelsonne

Ihres Herzens Wunsch vertraut,

Grüße sie mit leisem Gruße,

Wenn es oben golden blinkt,

Daß sie bei des Jünglings Kusse

Süß in seine Arme sinkt.

Höre fromm des Greises Beten

Aufgeschickt zur Sternenflur,

Laß ihn einmal noch betreten

Seiner Kindheit frohe Spur;

Führe, was er Theures kannte,

Alles -- Alles ihm zurück,

Sage, daß in jenem Lande

Wiederkehr' ihm jedes Glück.

Und wenn einst die letzte Stunde

Schwer vorüber mir geeilt,

Und des Herzens tiefste Wunde

Sanft das kühle Grab geheilt,

Komme, wenn der Tag geschieden,

Weil' an meinem Leichenstein,

Komm' -- und wünsche süßen Frieden

Mir noch in die Gruft hinein.