Auge und Thränen

F. Abt

Verlöschen soll vom vielen Weinen

Ein Auge, sei es noch so klar;

Doch lichter dringt der Stral des deinen

Durch all die Thränen immerdar.

Es wohnt ja nicht im Aug' die Wonne,

Es wohnt ia nicht im Aug' der Schmerz:

Was aus ihm bricht wie eine Sonne,

Ist in der Brust das Menschenherz.

Je reicher drum das innre Scheinen,

Je heller stralt das Auge gleich --

Kann da ein Aug' vergehn vom Weinen?

Wird nicht das Herz von Thränen reich?

Kein Wunder, daß dein Auge glühte

Nach all dem Weh so hell und rein;

Denn all der Reichthum im Gemüte

Gedeiht in heil'gem Schmerz allein.